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Kommandant Gumpinger konnte in der Jahreshauptversammlung am 20.01.2007 über eines der arbeitsreichsten Jahre seit Bestehen der Wehr berichten. Mit 79
Einsätzen waren die Kameraden z. T. unter Ausschöpfung aller Reserven gefordert und leisteten immer bestmögliche Hilfe. Und dies alles unter denkbar schlechten Rahmenbedingungen in einem baufälligen Gerätehaus,
dessen Enge und mangelhafte Ausstattung inzwischen zu einer Gefahr für die Gesundheit der Wehrleute geworden war. Nachdem Vorstand Wolitz nochmals deutlich eine klare Stellungnahme des Bürgermeisters verlangte,
wann endlich mit dem Bau des Gerätehauses begonnen werde, ließen in der anschließenden hitzigen Diskussion anwesende Markträte „die Katze aus dem Sack“. Entgegen aller Aussagen zum umgehenden
Baubeginn des Gerätehauses seien inzwischen die nötigen Gelder wieder aus dem Haushalt genommen. Dies und die nach wie vor fehlende Bauhoflösung stellten einen Neubau klar in Frage.
Dass die Empörung unter den über 70 anwesenden Feuerwehrleuten groß war, braucht an dieser Stelle nicht erwähnt zu werden. Auch die „Augsburger Allgemeine“ nahm sich des Themas an und stellte in einem umfassenden
Bericht der Versammlung fest: „Die Geduld der Wehr scheint am Ende.“ Dem hat der Chronist nichts hinzuzufügen, festzuhalten bleibt nur, dass dies die erste Jahreshauptversammlung gewesen ist, in der die Wehr
ihrem Unmut über die Situation in deutlichster Weise Ausdruck verliehen hatte. Eine Wehr, die es bislang vorgezogen hatte, effektiv dem Nächsten zu helfen und mit bestem Willen und unendlich scheinender Geduld
den Aussagen der Politiker immer wieder Glauben zu schenken. Eine Wehr, die immer Verständnis hatte für die finanziellen Probleme der Gemeinde und immer versuchte, sich – so gut es ging – zuerst selbst zu helfen.
Eine Wehr, die immer wieder mit Erstaunen feststellen musste, für welche Projekte die Gemeinde Geld aufwenden konnte. Eine Wehr, die sich immer den Bürgern von Dinkelscherben verpflichtet gefühlt hat und
niemals ihr Wirken zum Wohle des Nächsten einschränken würde, auch wenn es der Durchsetzung berechtigter Anliegen diente.
Dies alles machte anscheinend auf die politisch Verantwortlichen doch einen gewissen Eindruck, so dass bei den anschließenden Haushaltsberatungen für 2007
500000,-- € für das neue Feuerwehrhaus in den Haushalt eingestellt wurden und der Baubeginn bis Ende des Jahres in Aussicht gestellt wurde. Das Gerätehaus sollte wieder am alten Standort nach Abbruch der
bisherigen Unterkunft und Verlegung des Gemeindebauhofes entstehen. Diese Lösung bot sich an, da die Gemeinde über keinerlei passendes Grundstück an einem Alternativstandort verfügte.
Auch die Wehr war für diese Lösung vor allem auch aufgrund des zentralen Standortes. Das neue Haus sollte aus sechs Stellplätzen, einer Waschhalle und einem Stellplatz für das vereinseigene historische
Tanklöschfahrzeug bestehen. Ein Raumüberhang im ausgebauten Dach wurde dem Heimatverein und der Musikschule zugewiesen. Unter den Einsätzen des Jahres stach ein Garagenbrand am 8. Mai hervor, der zunächst wie
ein harmloser Kleinbrand aussah. Das Übergreifen des Brandes auf einen mit Gerümpel überfüllten Dachboden der Garage stellte aber zeitweise eine Gefahr für das angebaute Wohnhaus dar, zumal dieser vollgestopfte Raum
einen Innenangriff stark erschwerte. Zwei Verkehrstote, im Juni ein 43-jähriger Motorradfahrer und im November ein 19-jähriger der bei plötzlich auftretendem Blitzeis gegen einen Baum prallte, mussten auf der
vielbefahrenen Kreisstraße A1 beklagt werden.
Im Dezember 2007 war es dann endlich soweit: Die Wehr zog aus dem alten Haus aus, um für die Bauzeit eine ehemalige Sägehalle im Gewerbepark Guggemos als
Übergangsquartier zu nützen. Diese Halle wurde vom Eigentümer Josef Guggemos der Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung gestellt und von der Wehr provisorisch den Notwendigkeiten angepasst. Wenn auch keine
Werkstätten und Pflegeeinrichtungen in größerem Umfange vorhanden waren, so waren doch alle Fahrzeuge, Geräte und Schutzkleidung so gut untergebracht, dass die Einsatzfähigkeit der Wehr zu keinem Zeitpunkt der
Bauphase gefährdet war.
Bei der Jahreshauptversammlung im Januar 2008 wurden Kommandant Gumpinger und sein Stellvertreter Wenisch in ihren Ämtern bestätigt. In diesem Monat sorgte dann auch moderne
Baumaschinentechnik dafür, dass vom alten Gerätehaus – außer dem Schlauchturm – nichts mehr zu sehen war. Nach umfassenden Gründungsmaßnahmen aufgrund des moorigen Bodens konnte der eigentliche Bau dann beginnen,
der mit dem Richtfest im Juni bereits recht gute Fortschritte gemacht hatte. Nachdem das Dach gedeckt war, konnten dann die vielen Einzelschritte des Innenausbaus in Angriff genommen werden, wobei es hier wie bei
allen Baumaßnahmen so war, dass der eine Handwerker seine Sache gut, der andere weniger gut, vereinzelt sogar miserabel erledigte. Hier war auch die Wehr- und im besonderen die Vereinsführung sehr aktiv, um
in wöchentlichen Besprechungen sowohl den Handwerkern „auf die Sprünge zu helfen“, als auch immer wieder den Realitätssinn einzelner Verwaltungsmitarbeiter zu schärfen. Der von der Verwaltung geplante
Einzugstermin zum Jahresende konnte nicht eingehalten werden, da viele Detailgewerke bis hin zu den Außenanlagen noch weit entfernt von Ihrer Fertigstellung waren.
Die aktive Wehr hatte sich bis dahin mit einem großen Anteil an Eigenleistungen zum Gelingen des Werkes mit eingebracht. Ein glücklicher Umstand in diesem Baujahr war die Tatsache, dass die Wehr von größeren
Einsätzen weitestgehend verschont blieb, obschon am Jahresende 38 Einsätze in der Statistik verzeichnet sind.
Anzumerken ist auch, dass Bürgermeister Baumeister bei der Kommunalwahl im März zum zweiten Mal wiedergewählt wurde.
Für alle Feuerwehren der Region war die Inbetriebnahme der integrierten Leitstelle in
Augsburg zum Jahreswechsel 2008/2009 bedeutsam. Nach längerem Hin und Her konnte die Berufsfeuerwehr Augsburg sich für die Einrichtung dieser Zentrale in ihren Räumen durchsetzen. Fortan werden sowohl der
Rettungsdienst sowie Krankentransport als auch alle Feuerwehreinsätze in den Kreisen Donau-Ries, Augsburg Stadt und Land und Aichach-Friedberg von hier aus koordiniert bzw. Alarmierungen ausgeführt.
Für unsere Wehr änderte sich zunächst mal der gewohnte Funkrufname, nicht mehr „Augsburg-Land“, sondern „Leitstelle Augsburg“.
Aber auch die Ausrückbereiche wurden verändert, sowie auch eine selektive Alarmierung bestimmter Fahrzeuge eingeführt. Ungewohnt bei Alarmmeldungen ist auch die Tatsache, dass ab jetzt auch immer die Alarmierung
der Rettungsdienstfahrzeuge auf dem Funk zu vernehmen ist.
Der Winter 2009 hatte Dinkelscherben zwar nicht „fest im Griff“, wollte aber auch nicht ganz Abschied nehmen, so dass Frost und Schnee den
Baufortschritt des Gerätehauses im Februar und März doch stark beeinträchtigten. Doch was lange währt wird endlich gut…
Am 18. April war dann der große Tag des Umzuges in das lang ersehnte neue Gerätehaus gekommen. Alle packten fest mit an und am frühen Nachmittag war der Übergangsstandort geleert, gereinigt und übergeben und das
neue Domizil bezogen. Aber auch die Folgemonate waren noch von viel Detailarbeit geprägt und in einer großen Eigenleistungsaktion wurden die Außenanlagen gestaltet.
Am 5. Mai wurde die Wehr zu einem
Autobrand nach Ettelried gerufen. Alarmierung Melderschleife, da nur „kleiner Einsatz“. Beim Eintreffen der Wehr stand bereits eine ganze Scheune in Flammen, da der Brand vom Auto auf das Gebäude übergegriffen hatte.
Geistesgegenwärtig hatte die Besitzerin des Fahrzeuges kurz zuvor noch ihre beiden kleinen Kinder aus dem brennenden Auto gerettet.
Gemeinsam mit der FF Ettelried konnte der Brand nach entsprechender Nachalarmierung erfolgreich bekämpft werden. Ein recht spektakulärer Einsatz war die Kollision des RTW der Rettungswache Zusmarshausen mit einem
Viehtransporter zwischen Dinkelscherben und Uttenhofen am 23. Oktober. Außer einem Totalschaden am RTW mussten zum Glück keine nennenswerten Personenschäden beklagt werden.
Großen Raum im Feuerwehrjahr nahm natürlich die „standesgemäße Einweihung“ des Gerätehauses vom 2. bis zum 4. Oktober ein. Leistungsprüfung THL, Kameradschaftsabend, Gottesdienst mit Kirchenzug und anschließender
Segnung sowie ein hervorragend besuchter Tag der offenen Tür waren die herausragenden Punkte eines rundum gelungenen Festwochenendes bei bestem Wetter.
Neben der Bevölkerung feierten auch unsere Freunde aus Weismain und Zusmarshausen und die Ortsfeuerwehren kräftig mit. Nun verfügt die Wehr endgültig über eine adäquate Unterkunft mit entsprechenden Werkstätten,
Unterrichtsräumen, „menschlichen“ Sanitäranlagen und vielem anderen mehr. Der Feuerwehrverein investierte große Teile seines Vermögens in den Neubau und die Aktiven, aber auch einige Senioren brachten insgesamt
mehr als 5000 freiwillige Arbeitsstunden auf. Die Gesamtbaukosten dieser gemeindlichen Immobilie beliefen sich auf rund 1,8 Mio. €. Somit hat ein Prozeß sein Ende gefunden, der seinen Anfang bereits
1980 mit dem Hinweis des damaligen Kommandanten Lettinger auf den zu kleinen Unterrichtsraum genommen hatte. Viele Rückschläge und Enttäuschungen mussten die Wehrleute auf diesem Wege in Kauf nehmen, haben aber
nie aufgegeben, für diese wichtige Baumaßnahme zu kämpfen. Das Ergebnis ist für die Wehr aber auch für die gesamte Bevölkerung ein großer Grund zur Freude.
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