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06.06.2007 Die Feuerwehr im Gespräch mit Anton Fischer
Anton Fischer war lange Jahre Kommandant und Vorstand unserer Wehr. Heute ist er Ehrenkommandant, Ehrenvorstand, Ehrenkreisbrandmeister und Ehrenbürger des Marktes Dinkelscherben. Zeugnisse für beispielloses
bürgerschaftliches Wirken. Das Gespräch mit Herrn Fischer führte Peter Heinz, Bilder: Andreas Scholz
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Herr Fischer, Sie wurden am 8. Januar 1949 zum Kommandant gewählt! Wie sah
damals, knapp vier Jahre nach Kriegsende das tägliche Leben in Dinkelscherben aus? Die Spuren der Kriegsschäden und die zerstörten Anwesen waren zum Teil notdürftig wieder hergestellt. Seit Beginn des
Krieges wurden die gemeindlichen Einrichtungen vernachlässigt, insbesondere die Straßen, was zu unzähligen Schlaglöchern führte. Das größte Problem war die Unterbringung der Flüchtlinge. Die Bevölkerung litt
unter Lebensmittelknappheit. Die Lebensmittelzuteilung erfolgte mittels Lebensmittelmarken. Mit dem Zug kamen fast täglich die so genannten Hamsterer aus der Stadt. Der Schwarzmarkt blühte gegen Bezahlung mit
Lebensmittel.
Welche Fahrzeuge und was für einen Ausrüstungsstand hatte die Feuerwehr 1949? Es war bei meiner Übernahme ein Löschgruppenfahrzeug LF 15 aus Kriegsfertigung vorhanden. Der
Aufbau war aus einem Hartholzrahmen und mit Pressplatten verkleidet. Das Fahrzeug wurde Dinkelscherben von der Feuerschutzpolizei, Abt. Luftschutz zugeteilt. Das LF 15 Baujahr 1943 mit dem amtl. Kennzeichen POL –
57371 wurde am 16. Januar 1944 in Dinkelscherben stationiert. Des Weiteren war eine Motorspritze auf einem Vollgummibereiften, abprotzbarem Anhänger vorhanden. Baujahr 1929, Fabrikat Magirus, Marke Liliput 2. Die
Spritze wurde nach dem Großbrand des „Melcherlehofes“ am 19. August 1929 von der Gemeinde beschafft. Die vorhandenen Schläuche waren völlig unzureichend. Bei den Kriegseinsätzen in München, Augsburg und
Schwabmünchen wurde das Schlauchmaterial stark dezimiert. Ersatzbeschaffungen gab es nicht. Uniformjacken waren nur wenige vorhanden. Sie wurden wegen der Notlage nach dem Krieg zu Ziviljacken umgeschneidert.
Einige Wehrmachtshelme, schwarz eingefärbt und Stahlhelme die von der Wehrmacht zurück gelassen wurden, waren vorhanden. Ein paar Tage nach meiner Wahl zum Kommandanten holte ich bei der Gemeinde den Schlüssel
für`s Feuerwehrgerätehaus. Als ich anschließend die Geräte und die Ausrüstung in Augenschein nahm, fiel mir auf, dass die Ersatzkanister für Benzin und Diesel leer waren. Auch der Treibstoffbehälter des Fahrzeuges
und der Motorspritze waren nur noch zu einem Drittel gefüllt. Nach Meldung bei der Gemeinde und Einsichtnahme der Zuteilungsliste hätte ausreichend Treibstoff vorhanden sein müssen. Anscheinend gab es Abnehmer, denn
die Treibstoffzuteilung für Privatfahrzeuge war sehr eingeschränkt. Der Bürgermeister ließ einige vorherige Verantwortliche der Feuerwehr kommen und nahm Ihnen in meinem Beisein die Schlüssel des
Feuerwehrgerätehauses ab. Ich wurde dabei als Veranlasser beschimpft und beleidigt.
Am 22.Juli 1951 wurde die Vereinsfahne geweiht! Wie wurde dieses Ereignis gefeiert? Bei wunderschönem Wetter wurde am 22. Juli 1951 das Fest der
Fahnenweihe begangen. Die Musikkapelle Gabelbach wurde mit Vertrag verpflichtet den ganzen Tag zu spielen: zum Festgottesdienst, beim Festumzug vom Gottesdienstplatz zum
Festplatz beim Vikari, und um 14.00 Uhr beim Festmarsch durch die Straßen. Mittags ein Standkonzert am Marktplatz, am Nachmittag beim eigentlichen Fest und am Abend zum Tanz beim Vikari im Saal.
Anwesend waren 14 Feuerwehren aus der näheren Umgebung mit 218 Teilnehmern. Zum Mittagessen waren die Feuerwehren auf die Gaststätten im Ort verteilt. Beim Gasthaus Zur Traube - Lutz Otto. Beim
Gasthaus Zur Krone – Maischberger Johann. Beim Gasthaus Zum Kreuz – Thoma Moritz. Beim Deutschen Haus – Mayer Theo. Beim Gasthaus Zum Löwen – Höß Max. Beim Gasthaus Zur Sonne – Maurer Arthur.
Der Jubelverein und der Patenverein Zusmarshausen wurden beim Vikari bewirtet. Der Festgottesdienst wurde am Spitalplatz gefeiert. Der Altar wurde unter der großen Linde aufgebaut. Die Weihe der Fahne nahm
Pfarrer Prestele vor. Anschließend war eine Toten- und Gefallenenehrung am Kriegerdenkmal. Die Fahnenweihe zur damaligen Zeit war ein gut gelungenes Fest. Es war das erste große Fest nach dem Krieg. Die
Bevölkerung war begeistert und machte voll mit.
Im Oktober 1957 erhielt die FF Dinkelscherben ihr erstes Tanklöschfahrzeug! Wie veränderten sich durch diese Anschaffung Übungen und Einsätze? In der Brandbekämpfung wirkte es sich sicherlich positiv aus. Wir hatten das erste TLF im westlichen Landkreis. Das zu betreuende Gebiet war groß, die
Einsätze wesentlich mehr. Wir hatten auch die Autobahn im Einsatzbereich.
30 Jahre waren Sie Kommandant der FF Dinkelscherben! An welchen Einsatz erinnern Sie sich besonders? Ich erinnere mich noch besonders an den Großbrand bei der Firma Michalke in Langweid. Ein Brandeinsatz in diesem Ausmaß hat sich Gott sei Dank
nicht mehr ereignet.
Sie waren auch 20 Jahre lang der Vorstand des Vereins! Welches Ereignis aus Ihrer Amtszeit von 1974 – 1994 fällt Ihnen spontan ein? Ein besonderes Ereignis während meiner Tätigkeit als Vorstand war die 110-Jahr Feier der Feuerwehr Dinkelscherben, mit Übergabe des neuen TLF 16 in
Anwesenheit einer Abordnung der Feuerwehr aus Brunstatt, der Partnerstadt aus dem Elsaß.
1997 feierte die Feuerwehr Dinkelscherben ihr 125jähriges Jubiläum! Wie erlebten Sie als damaliger Schirmherr dieses Fest? Das 125-jährige Jubiläum war ein Fest der Superlative. Als Schirmherr war ich besonders stolz, dass dieses Fest so gut gelungen war. Auch die
herausgegebene Broschüre bzw. Festschrift ist sehr gut gelungen. Sie zeigt der nachfolgenden Generation den geschichtlichen Werdegang unserer Feuerwehr.
Herr Fischer, Sie hatten auch beruflich mit dem Gebiet Feuerwehr zu tun! Wie kam es zur Gründung Ihrer Firma für Feuerlöschgeräte? Da ich durch den Krieg aus meinem Beruf heraus gerissen wurde, war ich bei meinen Eltern in der Landwirtschaft tätig. Auch eine Bewerbung bei der
Gemeindeverwaltung wurde ausgeschlagen. In der Nachkriegszeit war es äußerst schwierig beruflich unterzukommen. Ein ehemaliger Hauptmann der
Feuerschutzpolizei Wolfgang Jahn und Moritz Bund, Chef der amerikanischen Militärfeuerwehr in Augsburg, beide waren gute Freunde, versuchten mich
als Vertreter für den Vertrieb von Feuerwehrgeräten zu gewinnen. Herr Jahn war von der Firma „Bachert“ Feuerwehrgerätefabrik beauftragt ein Vertreternetz
in Bayern aufzubauen. Erst nach seinem dritten Besuch sagte ich für eine Probezeit zu. Auf diesem Weg bin ich beruflich in die Feuerschutzbranche gekommen.
 Auf welche Art und Weise sind Sie heute noch mit der Feuerwehr verbunden?
Wenn man 30 Jahre Kommandant und 20 Jahre Vorstand der Feuerwehr war, fühlt man sich zwangsläufig mit dieser Hilfsorganisation sehr verbunden. Seit dem 125-jährigen Jubiläum, wo die ehemaligen Aktiven
besonders mitgewirkt haben, sind wir Ehemaligen zusammen geblieben. Wir treffen uns in unregelmäßigen Abständen und tauschen dabei unsere Erlebnisse aus früheren Zeiten aus.
Wie sehen Sie die FF Dinkelscherben heute? Die Feuerwehr heute ist eine starke Truppe und ist als hilfsbereite Einrichtung nicht mehr weg zu denken.
Welche Wünsche und Anregungen haben Sie an die kommende Generation der Feuerwehr? Ich wünsche der Feuerwehr, dass sie das bleibt was sie heute ist, nämlich Einer für Alle – Alle für Einen!
Zurück schauend auf ein ereignisreiches Leben in der Feuerwehr: Würden Sie es genau so noch einmal machen? Ich würde heute meinen Lebensweg genau so gehen, wie ich ihn gegangen bin. Es war immer meine
Aufgabe Menschen zu helfen wenn sie mich brauchten, im zivilen Bereich sowie im kommunalen Bereich.
Herr Fischer, im Namen der Freiwilligen Feuerwehr Dinkelscherben bedanke ich mich sehr
herzlich für dieses Gespräch. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft weiterhin viele schöne Momente in und mit Ihrer Feuerwehr. Danke! |