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Herr Eberhardt, wie
sind Sie zur Feuerwehr gekommen und in welchem Jahr war das? Durch die HJ (Hitlerjugend) im Herbst 1944. Durch die
HJ sind die Feuerwehren aufgestellt worden. Die HJ war ja eine offizielle Sache wo man hingehen hat müssen. So hat man auch zur Feuerwehr gehen müssen. Da hat es nichts Freiwilliges gegeben, man hat
gehen müssen. In dem Sinn war es eine Pflichtfeuerwehr. Jeder der in dem Alter war hat mitmachen müssen.
Wo hatte die Feuerwehr Dinkelscherben damals zu dieser Zeit Ihr Gerätehaus und wie war die Ausstattung dieser Unterkunft? Das Gerätehaus war in der Augsburger Straße. Ich
gehe davon aus, dass es das erste Feuerwehrhaus in Dinkelscherben war. Für damalige Verhältnisse war es eine große Halle. Nebenan war ein kleines Zimmer, da war Bekleidung drin. Jeder hatte zwar seinen Helm und
Uniform daheim, aber die Reservebekleidung war dort drin. Die Feuerwehr war in dieser Zeit aber nicht allein im Gerätehaus. Die Polizei war mit einem großen
Seitenwagen-Motorrad und die Landwirtschaft mit einer Unkrautspritze ebenfalls dort untergebracht. Damals gab es keine andere
Lösung, es war einfach so. Geändert hat es sich erst, als wir das Tanklöschfahrzeug bekommen haben und die zwei Fahrzeuge, also
TLF und LF hintereinander aufstellen mussten. Dann ging es nicht mehr anders. Die Feuerwehr hatte Vorrang!
In der Zeit von 1949 bis 1969 waren Sie Gerätewart der Feuerwehr! Wie sind Sie zu diesem Amt gekommen? Es waren damals zwar schon Wahlen, aber ob ich als Gerätewart auch gewählt worden bin, das weiß ich nicht mehr hundertprozentig.
Da ich damals der nächstgelegenste vom Gerätehaus war, wurde das wahrscheinlich im Zuge der Wahl mit abgestimmt, sodass ich
Gerätewart wurde. Außerdem war es wichtig, dass der Schlüssel für das Gerätehaus nicht zu weit weg war, da nur der Kommandant
und ich einen Schlüssel hatte. Im Normalfall war ja immer jemand daheim zum Schlüssel hergeben, auch wenn ich nicht daheim war.
Die FF Dinkelscherben bekam am 16. Januar 1944 ein LF15 von der Feuerschutzpolizei zugeteilt und verfügte zu dieser
Zeit bereits über eine Magirus Motorspritze der Marke Liliput 2. Wie war der Zustand dieser Geräte und in welchem Maße war es möglich Reparaturen und Ersatzteilbeschaffungen durchzuführen? Reparaturen und Ersatzteile waren das große Problem. Soweit man konnte haben die Handwerker, speziell für die Motorspritze, die
Teile selbst angefertigt oder von irgendwoher beschafft. Teile direkt irgendwo zu bestellen war nicht möglich. Mit dem LF15 ist man
später dann immer nach Augsburg zu Mercedes zum Kundendienst gefahren. Ein großes Problem waren aber die schlechten Reifen,
da hat man auf der Fahrt nach Augsburg oft einen Plattfuß gehabt. Der allgemeine Zustand der Geräte war nicht schlecht. Man hat einfach immer selbst geschaut dass alles in Ordnung ist. Aufträge von oben gab es nicht.
Ein großer Teil der Arbeit eines Gerätewartes ist, damals wie heute, die Schlauchpflege. Wie hat man früher die Schläuche
gewaschen, getrocknet und repariert? Gewaschen hat man sie auf der Straße. Erst mit dem Gartenschlauch abgespritzt und dann abgebürstet. Das war damals aber ganz
schwierig, weil die erste Zeit war die Straße ja nicht asphaltiert. Später hat man dann einen Schlauchwaschapparat gekauft. Das war
ein kleines Rohr wo Wasser nach innen strahlte und man die Schläuche durchgezogen hat. Das Trocknen war das größere Problem. Man hat die Schläuche an der Rückseite vom Rathaus am Balkon aufgehängt. Der Balkon
war vom Dachboden aus zugänglich. Es war aber sehr gefährlich, da man bei jedem Tritt aufpassen musste dass man nicht einbrach.
Weil die Schläuche aber bei Regen immer wieder nass wurden, habe ich sie dann bei mir im Stadel getrocknet. Das war eine
mühselige Arbeit, weil man mit den Schläuchen über der Schulter die Leiter steigen musste um sie aufzuhängen. Soweit man die
Schläuche reparieren konnte, haben wir sie zu den Amerikanern nach Augsburg gebracht und den Rest hat man mit Schlauchbinden geflickt.
Wie lange hat es früher gedauert, bis die Feuerwehr z.B. nach einem Großbrand wieder vollständig einsatzbereit war? Mitunter hat das schon einige Tage gedauert bis ein gewisser Bestand an Schlauchmaterial wieder zur Verfügung stand. Viel
Reserve war nicht da, für den Notfall zwar schon aber man hat einfach ein paar Tage warten müssen. Treibstoff für Pumpen und Fahrzeuge hat man sofort wieder auffüllen können, da hat es nie Probleme gegeben.
Hatten Sie als Gerätewart auch im Einsatz spezielle Aufgaben? Die Hauptaufgabe war Materialausgabe und Schlauchstreckenüberwachung, speziell auch wegen der Schlauchbinden, wenn man die
hat anbringen müssen.
An welchen Einsatz können Sie sich besonders erinnern und warum? An den Großbrand bei Michalke in Langweid. So eine Brandausdehnung wie da haben wir vorher noch nie gesehen. Das war ein
Schaden von 10 Millionen Mark, das war ein Wahnsinn. Unser Tanklöschfahrzeug wurde, wie die meisten anderen auch, eingeteilt
zum Wasser holen. Wir haben dann mit einer fremden Motorspritze in einer Halle gelöscht. Die Verrauchung war sehr stark, aber
Atemschutz hat man nicht eingesetzt, weil die damaligen Geräte unzuverlässig und mit ihren Alkalipatronen sehr gefährlich waren.
Neben uns waren Amerikaner, von denen hat einer mit einer Garnspule ein Fenster in der Decke eingeworfen und so hat man dann einen Rauchabzug gehabt.
Wo wir abgelöst wurden, sind wir dann um die Einsatzstelle herum gefahren, das war eine endlose Zerstörung.
Herr Eberhardt, bei der
Jahreshauptversammlung im Januar 2008 sind Sie für 60-jährige Vereinstreue geehrt worden! Welches Ereignis in dieser Zeit war für Sie etwas Besonderes? Ein besonderes Ereignis war die Fahnenweihe, aus dem einfachen Grund, weil ich Fähnrich geworden bin. Das war das höchste Fest für mich persönlich. Die
Fahnenweihe selber war damals ein großes Fest.
Die Feuerwehrmänner und –frauen der FF Dinkelscherben verbringen auch außerhalb des üblichen
Feuerwehrdienstes viel Freizeit zusammen in ihrer Feuerwehr. War dies früher auch schon so? Das war früher auch so. Bloß war es schöner
wie heute weil gegenüber vom Feuerwehrhaus noch die Wirtschaft vom Lutz war. Da ist man halt ins Wirtshaus gegangen, das hat sich so angeboten und das war ideal. Da hast Du alles gekriegt was
Du gewollt hast. Früher waren z.B. auch regelmäßig Vierteljahresversammlungen. Diese Versammlung hat aber jedes Mal in einer
anderen Wirtschaft stattgefunden. Aber sonst wenn Übung war oder Einsatz oder man sich privat getroffen hat, dann ist man halt zum Lutz in die Wirtschaft gegangen. Das war einfach auch eine Selbstverständlichkeit.
Zur Zeit wird in Dinkelscherben gerade wieder ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut. Wie weit waren die Wehrmänner
im Jahr 1969/70, als das letzte Feuerwehrhaus gebaut wurde, am Bau beteiligt bzw. was wurde alles in Eigenleistung gefertigt? Soweit ich mich erinnern kann, wurde da nicht viel gemacht. Fast jeder hatte damals eine Landwirtschaft daheim und dadurch auch
viel Arbeit. Ich selber hatte auch gar keine Zeit, weil ich im Lagerhaus gearbeitet habe und daheim eben auch die Landwirtschaft war, man hat zu der Zeit keine Freizeit gehabt.
Im neuen Feuerwehrhaus war ich dann nicht mehr als Gerätewart tätig.
Nach über sechs Jahrzehnten und vielen Jahren ehrenamtlicher, freiwilliger Arbeit in der Feuerwehr möchte ich Sie zum
Schluss des Gespräches bitten, ein paar Worte zum Thema Ehrenamt speziell an die jungen Feuerwehrmänner und –frauen zu richten. Ohne Ehrenamt geht es nicht! In jeder Generation ist das Ehrenamt anders. Damals war es selbstverständlich, heute ist das natürlich
anders weil jeder auch andere Möglichkeiten hat. Aber ohne Ehrenamt geht es nicht, das gehört einfach dazu.
Herr Eberhardt, ich bedanke mich, dass Sie sich Zeit genommen haben für dieses angenehme und sehr interessante Gespräch. Vielen herzlichen Dank!
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